Interessengemeinschaft Gertrudenberger Loch e.V.
 

Weitere Theorien

Während bereits in den Reversalien des Osnabrücker Bischofs Karl III. Joseph von Lothringen (1680 - 1715) vom 28. September 1701 dieser über „die Steinbrüche unterm [Kloster] S. Gertrudenberg“ schrieb, wurden weitere Theorien zur Entstehung des Gertrudenberger Loches von verschiedensten Personen vorgestellt.

1. Germanische Wohn-/Kultstätte

Der Jurist, Historiker und Philosoph Carl Gerhard Wilhelm Lodtmann (1720 - 1755) meinte in dem „Labyrinth“ des Gertrudenberger Loches eine Wohnstätte alter Germanen belegen zu können, wie er 1753 in der Schrift „Monumentum XIIII. Spelunca sub monte S. Gertrudis“, Seite 129, ausführte. Wörtlich heißt es: „In perpetuo saxo aeterno labore excisa Germanorum forte antiquorum habitaculum“ - „Die Wohnstätte der möglicherweise von den alten Germanen in ewigem Stein in unermüdlicher Arbeit geschaffen“.

Bürgerschulrektor a.D. Gustav Friedrichs (1853 - 1936), ehemaliger Vorsitzender der Osnabrücker Ortsgruppe der Vereinigung „Freunde germanischer Vorgeschichte“, äußerte in zahlreichen Veröffentlichungen der Jahre 1925 bis 1931 gar den Gedanken einer „astronomischen Anlage der Germanen“.  1929 veröffentlichte er die Schrift „Germanische Astronomie und Astrologie während der Stein- und Bronzezeit. Die Gertrudenberger Höhle bei Osnabrück, eine germanische Kultstätte um 1600 v. Chr.“.

Auch der Bürgervorsteher und Ingenieur Hans Zeiske (1877 -1963), der als Lehrer an der technischen Privatschule an der Holtstraße in Osnabrück lehrte, unter dessen Leitung von den „Freunden germanischer Vorgeschichte“ im Mai / Juni 1935 Grabungen im Gertrudenberger Loch vorgenommen wurden, folgte der Theorie einer altgermanischen Kultstätte; zahlreiche Veröffentlichungen zwischen 1930 und 1953 belegen dies.

2. Fluchtburg

Der Jesuit Ludwig Henseler (1686 - 1728) glaubte 1721 das Gertrudenberger Loch diente in Kriegszeiten als Zufluchtsstätte. Er schrieb :
Et quoniam, uti recte observat Critikus, castella vetera in locis elevatis & collibus fere strucbantur, verisimile esse cum ipso censeo in colle vicino, in monasterium S. Gertrudis postea adificatum est, castrum aliquod pro vesteri Saxonum more extructum fuisse, quo se inculæ belli tempore recipetent; cui usui etiam fuisse existimo recessus illos & specus subterraneos, quibus totus ille collis miro opere excavatus est.
Die Übersetzung lautet:
Und da, wie der Kritiker richtig bemerkt, alte Burgen in erhöhten Lagen und Hügeln fast immer errichtet wurden, halte ich es für wahrscheinlich, dass auf dem nahe gelegenen Hügel das Kloster St. Gertrudis später errichtet wurde, möglicherweise eine Burg nach Art der alten Sachsen, in die man sich während der Kriegszeiten zurückziehen konnte. Ich glaube auch, dass diese Rückzugsorte und unterirdischen Höhlen, durch die der gesamte Hügel mit erstaunlicher Arbeit ausgegraben wurde, diesem Zweck gedient haben.

Der Volkskundler und Mitbegründer der Osnabrücker Volkshochschule Dr. phil. Heinz Hungerland (1873 - 1946) bezeichnete den Gertrudenberg als eine indogermanische Volks- und Fluchtburg. Er schrieb 1925, dass Karl der Große den Schatz des Osnabrücker Donarheiligtums entdeckt und geraubt hat, „der wahrscheinlich in den Höhlen des Gertrudenberges versteckt war.

Dr. phil. Heinrich Schierbaum (1883 - 1934) , Heilpraktiker und Herausgeber der Zeitung „Der Stadtwächter. Unabhängiges Organ für freie Meinungsäußerung in Stadt und Land“  vermutete in dem Aufsatz „Die Geheimnisse des Gertrudenberges“  aus dem Jahr 1925 eine Fluchtburg zum Schutze gegen Angreifer: „Ihre Entstehung fällt in die Zeit, wo die Feuerwaffen aufkamen, nach 1500.“.

3. Runen-Übungsgelände

Ohne Frage war einst in germanischer Zeit dieses ganze Gebiet Runen-Übungs-Gelände.“ , so der Verleger, Astrologe,Okkultist, Esoteriker und Runenforscher Friedrich Bernhard Marby  über Osnabrück, der bereits 1911 schrieb: „Es gelang mir die Wiederentdeckung der Methode, nach der wir die Runen unserer germanischen Vorfahren wieder zu raunen im Stande sind, …“. Als Runen bezeichnet man alte Schriftzeichen der Germanen.
Marby zufolge entdeckte er während seines Aufenthaltes in Osanbrück in den Jahren 1904/1905 auf dem Gertrudenberg zwei Runen-Übungstrichter, sog. „Nürnberger Trichter“ - es handelte sich um die sog. „Schneckengänge“. Er folgerte: „Ich vermute, daß der Gertrudenberg als Runen-Übungs-Anlage die älteste in der Gegend ist.
In Band 7/8 der Marby-Runen-Bücherei „Die Rosengärten und das ewige Land der Rasse“ aus dem Jahr 1935 veröffentlichte Marby auch mehrere Fotografien aus dem Gertrudenberger Loch.
Nach Marby’s Meinung wurden das Gertrudenberger Loch vor 60.000 Jahren von Mongolen erstellt, die dazu von der damaligen Weltleitung beauftragt waren; es waren Einrichtungen, die für kultische Zwecke (Runen-Übungen, usw.) eingerichtet wurden. Seinen entsprechenden Beitrag schließt er mit den Worten: „Und noch zu meinen Lebzeiten, und noch mehr nach meinem Tode wird die fortschreitende Forschung bestätigen, was ich in den letzten rund 60 Jahren in Wort und Schrift offenbart habe.